7 Klippen bei der Qualitätssicherung im Übersetzungsprozess – und wie Sie sie umschiffen

Qualitätssicherung im Übersetzungsprozess

Das kennen Sie sicher auch: Sie bekommen eine Übersetzung von Ihrem Übersetzungsdienstleister (ÜDL) und senden Sie in Ihre ausländischen Niederlassungen zur Qualitätssicherung. Wenn Sie für diesen Prozess einen festen Workflow haben und seit Langem mit denselben Review-Teams in den Zielmärkten zusammenarbeiten, sollte alles reibungslos gehen. Aber die Bedingungen sind nicht immer perfekt – und dann kann es zu Schwierigkeiten kommen.

Vielleicht ist Ihr Reviewer in der Auslandsniederlassung nicht zufrieden mit der Übersetzungsqualität, die Ihr ÜDL geliefert hat, oder es gibt terminologische Inkonsistenzen. Es ist nun an Ihnen, diese Beschwerde an Ihren ÜDL zurückzumelden und herauszufinden, was dran ist. Eine lästige Aufgabe. Bei näherer Betrachtung gehen solche Fehler häufig auf Ursachen zurück, auf die Ihr Dienstleister keine direkten Einflussmöglichkeiten hat. Die gute Nachricht: Wenn Sie wissen, wo potenzielle Stolpersteine liegen, können Sie diese aus dem Weg räumen und Probleme beim nächsten Projekt von vornherein umgehen. So verhindern Sie Frust bei allen Beteiligten, sparen Kosten und sorgen für eine effiziente Qualitätssicherung im Übersetzungsprozess.

Problem 1: Unterschiedliche Quelltexte

Die Quellsprache ist häufig Deutsch. Doch die Korrektoren in Ihren ausländischen Niederlassungen verstehen meist kein Deutsch und müssen daher als Referenz auf eine englische Übersetzung oder auf das Vorgängerdokument zurückgreifen. Haben sie beides nicht, müssen sie bei ihrer Kontrolle völlig auf den Ausgangstext verzichten. Das ist ein Szenario, in dem unterschiedliche Qualitätseinschätzungen vorprogrammiert sind – aus dem ganz einfachen Grund, weil der Reviewer von einer anderen Grundlage ausgeht als der Übersetzer. Um Probleme so klein wie möglich zu halten, sollte die englische Übersetzung Ihrer Dokumentation immer vor allen anderen Zielsprachen vorliegen. Unnötig zu betonen, dass sie von tadelloser Qualität sein muss. Wenn Sie Ihren Reviewern die englische Version gleich zusammen mit Quell- und Zieltext zur Verfügung stellen, helfen Sie ihnen, eine angemessene Qualitätsprüfung auf einer guten Informationsgrundlage durchzuführen.

Problem 2: Verschiedene Terminologiequellen

Terminologische Konsistenz ist das A und O für eine Qualitätsübersetzung. Die meisten Übersetzungsdienstleister pflegen daher Terminologiedatenbanken für ihre Kunden. Diese Datenbanken kommen im Übersetzungsprozess zum Einsatz und sollten idealerweise auch den Korrektoren für die Qualitätssicherung in den Niederlassungen zur Verfügung stehen. Am besten ist es, die zu verwendende Terminologie vor Projektbeginn mit allen Beteiligten abzustimmen und von den Niederlassungen freigeben zu lassen. So kann der ÜDL die Datenbanken aktuell und korrekt halten, und Sie vermeiden terminologische Mehrdeutigkeiten und Abweichungen in der Dokumentation. Und wenn irgend möglich, sollten die Reviewer in den ausländischen Niederlassungen Zugriff auf dieselben Termbanken haben, mit denen auch die Übersetzer gearbeitet haben.

Problem 3: Fehler im Ausgangstext

Übersetzungsfehler können trotz größter Sorgfalt vorkommen – das ist eine Tatsache. Qualitätssicherung im Zielmarkt ist daher nicht nur notwendig, sondern auch sinnvoll. Häufig haben Fehler ihre Ursachen schon im Quelltext, etwa weil es Zweideutigkeiten oder terminologische Inkonsistenzen gibt. Und manchmal sind auch einfache Tippfehler schuld.

In den meisten Fällen können diese Fehler schon im Übersetzungsprozess ausgemerzt werden, und zwar dann, wenn sie früh genug bemerkt und durch eine Übersetzerrückfrage geklärt werden können. Bleiben sie unbemerkt, dann fallen sie meist als Übersetzungsfehler im Niederlassungs-Review auf. Ist das der Fall, so ist es wichtig, dass notwendige Korrekturen in Quell- und Zielsprache auch an den ÜDL weitergegeben werden. So lassen sich Übersetzungsspeicher (auch Translation Memorys oder TMs genannt) bereinigen und Fehler in zukünftigen Übersetzungen verhindern. Und wenn Sie schon bei der Texterstellung die Grundregeln für ein übersetzungsgerechtes Schreiben beachten, leisten Sie einen wichtigen Beitrag für gute Texte – in Quell- und Zielsprache.

Problem 4: Uneinigkeit bei den Inhalten

Eines ist klar: Auch die beste Übersetzung ist eine Übersetzung! Sie muss zu 100 % auf dem Quelltext basieren. Wenn der Reviewer mit dem Inhalt der Übersetzung nicht einverstanden ist, muss er mit seiner Marketingabteilung oder der technischen Redaktion Rücksprache halten, um zu klären, was im Ausgangsmaterial zu ändern ist. Erst dann kann der Übersetzungsdienstleister die Übersetzung entsprechend anpassen. Redaktionelle Änderungen im Zieltext wird ein seriöser Übersetzer jedoch nur ausführen, wenn er hierzu von seinem Kunden ausdrücklich autorisiert worden ist. Die meisten ÜDL haben zwar die Dienstleistungen Transcreation oder Copy-Editing in ihrem Leistungsportfolio. Hierfür sind aber andere Auftragsabsprachen, Workflows und eventuell auch andere Tools notwendig als für eine „normale“ Übersetzung. Sprechen Sie Ihren Dienstleister an und etablieren Sie gemeinsam mit ihm den besten Prozess für Ihren konkreten Leistungsbedarf.

Problem 5: Zweifel am Know-how des Übersetzers

Die Korrektoren, die die Qualitätssicherung in den ausländischen Niederlassungen durchführen, sind ausgewiesene Experten auf ihrem Gebiet und in ihrem Markt. Das Gleiche gilt für die Linguisten Ihres ÜDL. Übersetzer, die für einen ISO-zertifizierten Dienstleister arbeiten, verfügen im Normalfall über einen Hochschulabschluss in Übersetzungswissenschaften oder Linguistik. Sie übersetzen von der Fremdsprache in ihre Muttersprache und sie verfügen über jahrelange Erfahrung in ihrem Fachgebiet. Kunden können sich auf ihr Expertenwissen und ihre Sorgfalt verlassen. Wenn Sie sicher gehen wollen, bitten Sie Ihren ÜDL um Informationen zum Ausbildungsstand und zu den Berufserfahrungen ihrer Übersetzer und erkundigen Sie sich, ob Ihr Dienstleister für Ihre Projekte Stammübersetzer einsetzt.

Problem 6: Revisionen sind subjektiv

Sprache ist vielfältig. Fast immer gibt es viele Möglichkeiten, ein und denselben Sachverhalt auszudrücken. Wenn Korrektoren bei der Qualitätskontrolle der Meinung sind, ein Wort oder Satz sollte anders gewählt werden, so können sie jederzeit Änderungen vornehmen. Reine Präferenzänderungen in den Niederlassungen sind zwar nicht mit Übersetzungsfehlern gleichzusetzen. Ihr ÜDL wird die gewünschten Änderungen dennoch gern in den Übersetzungsspeicher übernehmen, wenn sie ihm zur Verfügung gestellt werden. Denn so kann er die bevorzugten Begrifflichkeiten und Stilvorgaben in künftigen Projekte verwenden.

Problem 7: Keine klaren Richtlinien für die Niederlassungskorrektur

Last but not least: Es liegt in der Natur der Sache, dass ein Korrektor bei der Qualitätskontrolle Änderungen vornimmt. Bliebe alles beim Alten, hätte er sich die Prüfung sparen können. Niemand vergeudet gern seine Zeit mit Tätigkeiten, die sich am Ende als überflüssig herausstellen. Das Ändern von Begriffen oder Sätzen oder sogar das komplette Umschreiben ganzer Passagen gilt sogar nicht selten als Beweis für eine sorgfältige Qualitätskontrolle. Sorgen Sie dafür, dass Ihre Korrektoren in den Niederlassungen wissen, was bei der Qualitätssicherung von ihnen erwartet wird. Investieren Sie ein bisschen Zeit und formulieren Sie eindeutige Richtlinien. Die Mühe macht sich schnell bezahlt. Denn am Ende sorgen Änderungen so spät im Produktionsprozess vor allem für eins: zusätzliche Kosten. Die gilt es zu vermeiden. Achten Sie außerdem darauf, dass notwendige Änderungen wieder an den ÜDL zurückgesendet werden, damit sie in späteren Übersetzungen nicht aufs Neue auftreten.

 

So gelingt die Qualitätssicherung im Übersetzungsprozess

Diese drei Leitfragen helfen Ihren Korrektoren dabei, eine effiziente Qualitätskontrolle durchzuführen:

Funktionalität: Gibt der Zieltext die beabsichtigte Funktion korrekt und vollständig wider? Je nach Textsorte und Zielgruppe müssen hier unterschiedliche Sprachrichtlinien gelten.

Verständlichkeit: Kann der Leser ohne Probleme verstehen, worum es im Text geht?

Angemessenheit: Erfüllen Stil und Tonalität den gewünschten Zweck?

Sie sind für die Organisation des Korrekturzyklus in Ihrem Unternehmen verantwortlich? Dann laden Sie sich die praktische Checkliste herunter. So haben Sie unsere Best Practices für einen erfolgreichen Qualitätssicherungsprozess übersichtlich auf einen Blick!

 

ÜBER DIE AUTORIN 

Katrin Marheinecke (Business Process & Quality Manager bei text&form) blickt auf eine langjährige Erfahrung in der Übersetzungsbranche zurück, zuerst als Übersetzerin und Lektorin, später als Projektmanagerin. Seit ihrer Zertifizierung zur Qualitätsbeauftragten arbeitet sie an der ständigen Verbesserung der Übersetzungsprozesse. Die vielfältigen Einblicke in das Übersetzungsgeschäft erlauben ihr eine Prozessanalyse aus allen Perspektiven.

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