Maschinelle Übersetzung: Zukunft oder Ende einer Branche?

Maschinelle Übersetzung – Ende oder Zukunft
An kaum etwas scheiden sich die Geister in der Übersetzungsbranche mit so viel Heftigkeit und Leidenschaft wie an der maschinellen Übersetzung. Wird sie sich vollständig durchsetzen – und menschliche Übersetzer arbeitslos machen? Aber wie – wenn doch die Übersetzungsqualität „so mies“ ist? Aber vielleicht geht es am Ende gar nicht um die Frage „Mensch oder Maschine“, sondern um die Frage „Mensch und Maschine“? Und die ganze Aufregung ist umsonst?

 

Was werfen die Anhänger der jeweiligen „Systeme“ sich eigentlich vor?
Die Vorteile einer maschinellen Übersetzung gegenüber einer vom Menschen gemachten sind aus Kundensicht erst einmal bestechend:

  • Sie ist billig: Die maschinelle Übersetzung ist viel billiger als das Engagement eines Humanübersetzers – kommen öffentlich zugängliche Übersetzungsmaschinen wie Google Translate zum Einsatz, sind sie sogar kostenlos.
  • Sie ist sofort verfügbar: Wenn die Zeit nicht reicht, um auf die Fertigstellung einer Übersetzung zu warten, ist die maschinelle Übersetzung kaum toppen.
  • Sie schafft viel in kurzer Zeit: Große Datenmengen in kurzer Zeit übersetzen – das können nur mehrere Übersetzer gleichzeitig – oder eine Maschine.

Genauso offensichtlich wie die Vorteile sind aber auch die Grenzen der maschinellen Übersetzung:

  • Eine Maschine übersetzt nicht idiomatisch: Deswegen lesen sich maschinelle Übersetzungen oft nicht flüssig und bilden eine ungewöhnliche Syntax.
  • Eine Maschine kann nicht zwischen den Zeilen lesen: Humor, Ironie oder Metaphern sind dem Computer fremd. Er übersetzt nur die Wörter, die sich in seinem Speicher befinden.
  • Eine Maschine kann nur, was sie vorher gelernt hat: Egal ob regel- oder statistikbasiert – eine Maschine kann nur Inhalte ausgeben, mit denen sie irgendwann einmal gefüttert wurde.

Während diese Grenzen des Wie sieht die Zukunft der Übersetzungsbranche aus?Übersetzungscomputers für Literatur, Marketing oder technischer Dokumentation k.o.-Kriterien sind, spielen sie in weniger bleibenden oder qualitätskritischen Umgebungen wie Diskussionsportalen oder Hilfeforen eine zu vernachlässigende Rolle.
Die Frage „Maschinelle oder Humanübersetzung?“ stellt sich also im Normalfall gar nicht. Die richtige Frage müsste vielmehr lauten: „Maschinelle Übersetzung ohne Post-Editing oder gar keine Übersetzung?“ Und bei Übersetzungsprojekten mit umfangreicheren Qualitäts-, Budget- und Zeitanforderungen: „Humanübersetzung oder Maschinelle Übersetzung plus Post-Editing?“

 

Menschliche vs. maschinelle Übersetzung

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Fakt ist: Ganz ohne Post-Editing geht es bei der Maschinellen Übersetzung eigentlich nie. Und warum auch? Wenn eine Übersetzung nahezu kostenneutral produziert werden kann, ist ein beträchtlicher Teil des Gesamtbudgets eingespart worden. Vor dem Hintergrund einer solchen Ersparnis ist die Investition in eine mehr oder weniger intensive Überarbeitung immer eine gute Idee.
Wobei wir bei der Fragen wären, ob Übersetzungscomputer die Arbeitsplätze von Übersetzern bedrohen. Die Antwort lautet: Nein, im Gegenteil! Aber wahr ist auch: Die Zukunft des Übersetzers wird eben nicht mehr ausschließlich im Übersetzen liegen – sondern auch im Post-Editieren maschinell angefertigter Übersetzungen. Damit eröffnet sich ein völlig neues Berufsfeld. Und hierfür bedarf es neuer Fähigkeiten und Qualifikationen. Wer da am Ball bleibt, muss auch in Zukunft nicht um den Job fürchten. Denn die zu lokalisierenden Textmengen werden in der globalisierten Welt so groß sein, dass auch bei großflächigem Einsatz von Übersetzungsmaschinen genug Arbeit für Mensch und Maschine bleibt.

 

Fazit
Eine menschengemachte Übersetzung mit einer maschinellen zu vergleichen, ist ein Vergleich zwischen Äpfeln und Birnen. Beide Lösungen haben ihre Berechtigung – und kommen sich bei sachgemäßem Einsatz fast nie in die Quere. Auch wenn dank neuer Erkenntnisse in der Computerlinguistik die Übersetzungsqualität von Maschinen weiter gesteigert werden kann. Der Tag, an dem ein Computer einen Humanübersetzer ersetzen kann, ist noch sehr weit – wahrscheinlich kommt er nie. Der Tag, an dem der Übersetzer von heute einen Übersetzungscomputer sinnvoll ergänzen kann, ist hingegen schon gekommen. Und diese Chance sollte sich niemand in der Übersetzungsbranche entgehen lassen.

 

ÜBER DEN AUTOR
Katrin Marheinecke
Katrin-Marheinecke
Als Quality Manager bei text&form beschäftigt sich Katrin Marheinecke mit der Steigerung der Übersetzungsqualität und der kontinuierlichen Verbesserung von Übersetzungsprozessen. Die Beobachtung der neuesten Trends in der Übersetzungslandschaft ist ihr Beruf und Vergnügen zugleich.
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