PDFs übersetzen – keine gute Idee

PDFs übersetzen

Wieso Sie von Übersetzungen aus dem PDF-Format absehen sollten

Wenn Sie bei diesem Artikel gelandet sind, dann kennen Sie das Szenario wahrscheinlich: Ihre Grafiker haben gerade Ihre stylishe Produkt- oder Unternehmensbroschüre fertiggestellt, Layout und Design sind perfekt, jetzt muss das Ding nur noch übersetzt werden. Also ab damit an den Übersetzungsdienstleister Ihres Vertrauens, damit das schnellstmöglich erledigt wird.

Sie werden es wahrscheinlich schon ahnen (dass Sie diesen Artikel lesen, spricht immerhin nicht nur für Ihren Geschmack, sondern auch für einen gewissen Praxisbedarf) – ganz so einfach ist das nicht. In diesem Artikel wollen wir Ihnen verraten, wieso Sie nicht nur Zeit und Geld sparen, sondern auch bessere Qualität gewährleisten, wenn Sie KEINE PDFs übersetzen lassen.

Das Übersetzen von PDF-Dateien gestaltet sich trotz aller Technik meist schwierig. Prinzipiell ist es zwar möglich, doch eventuell könnten Sie als Kunde viel Zeit sparen, wenn Sie Ihrem Übersetzungsdienstleister keine PDFs schicken. Von Geld, bekanntlich einer direkten Funktion der Zeit, ganz zu schweigen.

Egal ob Sie nur ein schnelles Angebot benötigen oder Ihren sorgfältig und aufwendig formatierten Text übersetzen lassen wollen – hier ein paar Tipps aus der Praxis, wie Sie ein schnelles, zufriedenstellendes und kostengünstiges Ergebnis erhalten.

PDFs übersetzen – was Sie beachten sollten

PDF ist ein großartiges Format, wenn es um die Veröffentlichung von Inhalten geht. Ihre Layouts bleiben auch beim Drucken erhalten und Sie können die Inhalte sogar durch Verschlüsselung oder Passwörter vor Bearbeitung schützen. Eventuell erkennen Sie hier aber schon das Problem, denn um Ihren Text zu übersetzen, müssen wir genau das tun.

Die Herausforderung der PDF-Übersetzung

Damit Text in einer Datei übersetzt werden kann, muss er (bzw. die Datei) sich bearbeiten lassen. Um also eine PDF zu übersetzen, müssen wir diese editierbar machen. Das einfachste Mittel ist, den Text in eine editierbare Datei (z. B. Word) zu kopieren.

Beim Kopieren von Text aus der PDF-Datei oder auch beim Umwandeln der PDF in eine Word-Datei (die meisten Übersetzungstools können das) entstehen aber schon die ersten Probleme. Formatierungen und Funktionen können verloren gehen. Dort, wo in der PDF-Datei eine Zeile endet, werden oft harte Umbrüche eingefügt, Tabulatoren werden durch eine Reihe von Leerzeichen ersetzt, Tabellen sind nicht länger formatiert, genauso wenig wie Kopf- und Fußzeilen, Überschriften, Verzeichnisse, Einrückungen usw. Besondere Layouts, die in der PDF großartig aussehen – beispielsweise ein mehrspaltiges Layout –, werden in einer umgewandelten Datei zum reinsten Chaos.

Daraus ergeben sich in der Praxis zwei grundsätzliche Möglichkeiten:

  • Ihr Text wird als unformatierter Text übersetzt, editierbare Grafiken werden transkribiert. Was Sie bekommen, ist eine reine Textübersetzung. Um diese gebrauchsfertig zu machen, ist Mehraufwand erforderlich. Es fallen je nach Umfang mehrere Stunden an Vorbereitung an, um unnötige Umbrüche, Leerzeichen usw. zu entfernen, damit der Text übersetzbar wird.

Am Ende liegt der Text als Word-Datei vor. Für Sie bedeutet das aber, dass Sie keine gebrauchsfertige Übersetzung bekommen, sondern selbst noch Hand anlegen müssen, bevor Sie Ihren Text veröffentlichen können.

Oder:

  • Die fertig übersetzte (Word-)Datei wird nachträglich überarbeitet, um in ihrem Aussehen der Originaldatei zu entsprechen. Hierbei können, abhängig vom Umfang, mehrere Stunden an DTP-Arbeit anfallen, sowohl für die Vor- als auch die Nachbereitung der Dateien. Und am Ende haben Sie immer noch nicht das wahre Design, sondern quasi eine „Imitation“ (was ja oft genug auch ausreicht).

Der Mehraufwand, der in diesem Fall beim Übersetzungsdienstleister entsteht, kann bei größeren Textmengen beträchtlich werden. Und was bedeutet das für Sie? Ganz genau.

Die beste Vorgehensweise: das Ausgangsformat übersetzen

Prinzipiell lässt sich zwar jede PDF übersetzen, doch im Idealfall arbeitet man mit dem Ausgangsformat. Egal ob Word, InDesign oder Framemaker, die Formate, aus denen die PDF erst generiert wurde, eignen sich in jedem Fall am besten für die Übersetzung. Die Texte sind hier editierbar und (im Falle von InDesign oder Framemaker) bereits fix in ihren Textfeldern platziert, Verzeichnisse werden automatisch generiert und Schriftarten sind bereits vorgegeben – ein Traum. Der Aufwand für die Vor- und Nachbereitung ist hierdurch minimal (es müssen höchstens ein paar Textfelder aufgezogen oder neu platziert werden).

Das schlägt sich nicht nur in den Kosten positiv nieder, sondern verkürzt auch die Bearbeitungszeit beträchtlich. Auch fallen Angebote und Kostenvoranschläge viel präziser aus, wenn Sie dem Dienstleister das Ausgangsformat zur Verfügung stellen.

Gescannte Dokumente übersetzen

Bei allen Bemühungen kann es natürlich auch sein, dass das Ausgangsformat einer PDF einfach nicht verfügbar ist. Sie kennen es vielleicht – Ihr OEM-Lieferant setzt Ihnen eine Produktbeschreibung mit Grafiken vor oder jemand kramt ein altes Vertragsdokument aus einem Archiv. Auch diese Dinge müssen übersetzt werden.

Die gute Nachricht: Solche Dateien zu übersetzen ist im Allgemeinen nicht viel aufwendiger als bei einer PDF mit einigermaßen komplexem Layout. Mittlerweile gibt es Tools zur Textextraktion, die solche Inhalte in akzeptabler Qualität aus den gescannten Seiten extrahieren. Die (für Sie wahrscheinlich) schlechte Nachricht: Auch hier ist häufig noch eine mehrstündige manuelle Bearbeitung notwendig, da (abhängig von der Qualität der gescannten Dateien und bedingt durch die Einschränkungen der Technik selbst) nicht alle Inhalte immer korrekt erfasst werden.

Sie möchten immer noch eine PDF übersetzen lassen?

Selbstverständlich ist es durchaus möglich, PDFs übersetzen zu lassen, nur ist es nicht der Idealfall. Wenn Sie Zugriff auf editierbare Formate wie .fm, .indd oder auch einfach eine DOC haben, lassen Sie Ihrem Übersetzungsdienstleister doch lieber gleich die zukommen. So können Sie nicht nur Ihre Übersetzungskosten besser planen, Sie bekommen auch Ihre Übersetzung in kürzerer Zeit und ohne großen Aufwand wieder.

 

ÜBER DEN AUTOR

Ismar Šećerbegović arbeitet als Senior Project Manager bei text&form. Seine Leidenschaft für Sprachen entstand schon in seiner Kindheit, die er trilingual in Wien verbrachte. Nach erfolgreich abgeschlossenem Bachelorstudium der Translationswissenschaften an der Universität Wien hat er zunächst reichlich Erfahrung als Übersetzer, Dolmetscher und Projektmanager gesammelt, bevor er Wiener Melange für Club Mate eingetauscht hat. Bei text&form kümmert er sich um frustfreien Projektablauf durch format- und fristgerechte Lieferungen.

 

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