Qualitätskontrolle ist gut – Qualitätsmanagement ist besser

Hand aufs Herz: Was ist Ihnen wichtiger – gute Qualität oder ein günstiger Preis? Wenn es um Übersetzungen geht, ergeben Umfragen bei Kunden immer wieder das gleiche Bild:  Einkäufer wünschen sich wettbewerbsfähige Preise. Allerdings darf die Preiskalkulation nicht auf Kosten der Qualitätssicherung gehen. Anders ausgedrückt: Ein niedriger Preis ist schön, aber der beste Preis nützt nichts, wenn die Qualität nicht stimmt.

Qualität ist wichtig – da sind sich alle einig. Doch wie erreicht man die? Qualitätskontrollen und Prüfungen sind ein entscheidender Bestandteil der Qualitätssicherung. Deswegen arbeiten nach DIN EN ISO 17100 zertifizierte Übersetzungsdienstleister wie text&form nach dem 4-Augen-Prinzip – frei nach dem Motto: Vier Augen sehen mehr als zwei. Doch mit Prüfungen allein ist es nicht getan. Von William Edwards Deming, dem Vater des „Total Quality Management“, wissen wir: Qualität will erzeugt, nicht erprüft sein. Soll heißen: Um eine hohe Qualität zu erreichen, muss der gesamte Produktionsprozess geplant und gesteuert sein, nicht nur die letzte Phase kurz vor der Lieferung an den Kunden.

Qualitätskontrolle, Qualitätssicherung, Qualitätsmanagement – nicht selten gehen diese Begriffe durcheinander oder werden synonym verwendet. Was meinen wir, wenn wir davon sprechen? Bei der Qualitätskontrolle kommen Maßnahmen zum Einsatz, mit denen wir den Produktionsprozess steuern. Mit der Qualitätssicherung wollen wir gewährleisten, dass die Qualitätskontrollmaßnahmen auch tatsächlich funktioniert haben. Qualität im Demingschen Sinn erreichen wir aber erst mit einem umfassenden Qualitätsmanagementsystem, das alle Maßnahmen und Abteilungen integriert und sich nicht nur auf einen Teilbereich beschränkt.

Qualitätsmanagement für Übersetzungen

Was bedeutet das nun für eine Dienstleistung wie die Übersetzung? An welchen Stellen muss man ansetzen?

Der erste Ansatzpunkt ist die Angebotsphase: Schon hier geht es darum, dem Kunden möglichst genau zuzuhören und exakt die Dienstleistung(en) anzubieten, die er benötigt. Doch was, wenn der Kunde selbst nicht genau weiß, was er eigentlich braucht? Das ist gar nicht mal so ein ungewöhnliches Szenario in der Übersetzungsbranche. Hier ist es von zentraler Bedeutung, dem (potenziellen) Kunden transparent und nachvollziehbar darzustellen, was er für sein Geld erwarten kann. Nur so lassen sich spätere Unzufriedenheit und falsche Erwartungen vermeiden.

Ist das Angebot zur Bestellung geworden, schützen eine sorgfältige Prüfung und Analyse beim Eingang der Daten vor späteren Überraschungen. Erst wenn der Umfang genau bestimmt worden ist, legt der Projektmanager den Workflow fest und stimmt den Zeitplan ab. Bei größeren Projekten empfiehlt es sich, zunächst eine Terminologieextraktion durchzuführen und die relevanten Termkandidaten vorab übersetzen zu lassen. Dadurch lässt sich die Qualität schon im Vorfeld spürbar steigern, weil Termini dann von allen Beteiligten konsistent verwendet werden. Falls es zu dem zu übersetzenden Material schon Vorgängerversionen gibt, können eine geeignete TM-Vorbereitung und eine Vorübersetzung nicht nur die Konsistenz weiter verbessern, sondern auch Kosten sparen.

Wenn es dann an die eigentliche Übersetzung geht, gilt es, passende Teams zusammenzustellen. Hierfür ist wichtig, dass nicht nur die formale Qualifikation der Übersetzer und sonstigen Lieferanten stimmt, sondern auch das fachliche Know-how und die Spezialisierung. Ein hervorragender technischer Übersetzer kann bei einer Marketingübersetzung einiges zu wünschen übrig lassen –umgekehrt fehlt es einem Formulierungsgenie nicht selten an technischem Know-how, um eine technische Doku präzise zu übertragen. Ein erfahrener Projektmanager weiß das und berücksichtigt genau diese Fähigkeiten bei seiner Übersetzerauswahl. Ebensolche Sorgfalt wird der PM bei der Auswahl der Revisoren und DTP-Experten walten lassen.

Qualitätsmanagement kurz erklärt (Zum Vergrößern anklicken)

 

Moderne Technologie und durchdachte Qualitätssicherung: ein starkes Team

Im Übersetzungsschritt sind zudem die Wahl und Beherrschung des richtigen Übersetzungstools das A und O. Nur wenn alle Akteure die (meist sehr hilfreiche) Technologie beherrschen, können Fehlerquellen minimiert und die Effizienz maximiert werden. Ist die Übersetzung erledigt, folgt die eigentliche Qualitätssicherung: das Lektorat – in der Terminologie der ISO 17100 auch Revision genannt. Im Normalfall gibt es darauf aufbauend noch eine Schlusskontrolle oder Ausgangsprüfung. Nach Revision und Schlusskontrolle kann der Projektmanager die Übersetzung auf dem vereinbarten Weg an den Kunden liefern. Wer auf Nummer sicher gehen will, wählt für die Übermittlung von Daten verwaltete oder, wenn vorhanden, ein eigenes Kundenportal.

Ein wichtiger qualitätssteigernder Baustein im Produktionszyklus ist das Kundenfeedback. Hier muss ganz genau hingehört werden. Auch wenn der Kunde insgesamt zufrieden ist, gibt es in jedem Workflow Optimierungspotenzial. Das herauszukitzeln und sinnvoll umzusetzen, kann eine Herausforderung sein. Aber es lohnt sich. Wenn der Projektmanager nach Abschluss eines Projekts das Evaluierungsergebnis dokumentiert und seine Datenbanken sorgfältig aktualisiert, hat er schon einen guten Grundstein für das nächste erfolgreiche Übersetzungsprojekt gelegt.

Den kompletten Produktionszyklus im Blick

Zusammengefasst: Wer eine hohe Qualität erreichen will, muss den kompletten Produktionszyklus im Blick haben – egal, ob es sich bei dem Produkt um eine Zahnbürste oder um eine Übersetzung handelt. Einen Unterschied gibt es aber doch: Die Qualität einer Übersetzung ist – neben den oben genannten Aspekten – noch von etwas anderem abhängig: von der Qualität des Quelltextes. Wenn Kunden und Übersetzungsdienstleister hier frühzeitig Hand in Hand arbeiten und wenn Autoren bei der Texterstellung die Grundregeln für das übersetzungsgerechte Schreiben beherzigen, dann haben alle auf dem Weg zu einer hohen Übersetzungsqualität schon sehr viel richtig gemacht.

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